Vorbeugen ist besser als heilen.

Gemüse
"Damit es komme nicht zum Knackse, erfand der Mensch die Prophylaxe. Doch leider beugt der Mensch, der Tor, sich vor der Krankheit, als ihr vor" (Eugen Roth)

Unter Prävention wird allgemein und im traditionellen Verständnis die frühzeitige Verhütung von Krankheiten verstanden. Die Gesundheit soll so erhalten und gefördert werden, dass Krankheiten gar nicht erst entstehen können. Ein weiteres Ziel ist die frühestmögliche Erkennung von Krankheiten, um diese schnell und wirksam behandeln zu können. Im Blickpunkt steht die Frage nach den Krankheitsursachen und die Bestimmung und Bewertung von Risikofaktoren. Prävention ist sehr viel mehr als nur die Vermeidung von Risikofaktoren:

Prävention hat viele Facetten
Salutogenese – Was ist das?
Förderung der Knochengesundheit – übergeordnete Ziele und Inhalte
Bewegung
Knochengesunde Ernährung
Belastungsbewältigung
Umgang mit Suchtmitteln
Sturzprävention – Bewegungssicherheit im Alter

Prävention hat viele Facetten

Die erstmalig von Caplan vorgenommene Dreiteilung in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention hat sich durchgesetzt:

Die Primärprävention soll bereits dann wirksam werden, wenn noch keine Krankheit aufgetreten ist. Sie fördert allgemein die Gesundheit. Krankheiten werden durch die Vermeidung von Ursachen und Risikofaktoren, die gesundheitliche Störungen und Krankheiten hervorrufen können, verhütet. Die Primärprävention für die Knochengesundheit beginnt im Kindes- und Jugendalter und zielt auf eine natürliche Entwicklung ab, unterstützt durch ein gesundes Ernährungsverhalten, viel Bewegung und gezielte Suchtprävention.

Die Sekundärprävention hat die Früherkennung von Krankheiten und Risikofaktoren zum Ziel, um diese frühestmöglich zu erkennen, zu therapieren und zu beseitigen. Zur Identifizierung von Risikofaktoren und Risikofaktorenträgern sowie zur frühestmöglichen Intervention bei aufgetretenen Erkrankungen dienen Filteruntersuchungen (= Screenings) in ausgewählten Bevölkerungsgruppen. Bei erkannten Risikofaktorenträgern und/oder erkrankten Menschen werden dann gezielte Verhaltens- und Lebensstiländerungen eingeleitet. Ein Angebot der Sekundärprävention ist beispielsweise die Neue Osteoporose Schule.

Die Tertiärprävention zielt auf Menschen ab, bei denen eine behandlungsbedürftige Erkrankung  oder ein behandlungsbedürftiger Schaden eingetreten ist. Es gilt, Chronifizierungen, Verschlimmerungen, Rückfälle oder Folgeerkrankungen zu verhindern. Dazu werden notwendige Heil- und Folgebehandlungen in Reha-Kliniken, teilstationären oder ambulanten Rehazentren durchgeführt. Die Schnittstellen zwischen tertiärpräventiven und rehabilitativen Maßnahmen sind nicht klar zu trennen. Am Beispiel einer Person mit einer klinisch manifesten Osteoporose geht es unter anderem um die Verhinderung weiterer Brüche durch verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen.

Die Verhaltensprävention ist darauf ausgerichtet, gesundheitsschädliche Verhaltensweisen zu verhindern oder abzulegen (z.B. einen für die Knochengesundheit schädlichen Lebensstil, leichtsinniges Verhalten im Straßenverkehr, Training von Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer zur Erhöhung der Beanspruchungsfähigkeit) und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu stärken (z.B. eine für die Knochengesundheit optimale Ernährung und Bewegung). Sie ist grundsätzlich personenbezogen und sorgt sich um eine stabile  Selbstwirksamkeit des Menschen, um Risikofaktoren zu vermeiden und Schutzfaktoren für die individuelle Gesundheit aufzubauen.

Die Verhältnisprävention kümmert sich grundsätzlich um die Voraussetzungen für gesundheitswirksames Verhalten und ist im Wesentlichen auf die Umwelt bezogen. Konkret geht es um die gesundheitsförderliche Gestaltung des Lebens- und Arbeitsumfeldes eines Menschen (z.B um die Verringerung belastungserzeugender Arbeitsbedingungen, Luftreinhaltung, Unfallverhütung im Betrieb und im Verkehr, Trinkwasserhygiene, Ausrottung von Virenstämmen, Schutzimpfungen, Trockenlegung von Sümpfen, so dass Stechmücken als Überträger des Malariavirus keinen Lebensraum mehr finden). Aus der Sicht eines von Osteoporose betroffenen Menschen geht es z.B. um die Vermeidung von Sturzursachen zu Hause.

Salutogenese – Was ist das?

Angeregt durch Untersuchungen an ehemaligen jüdischen Insassen deutscher Konzentrationslager, die den Holocaust überlebten und sich Jahrzehnte danach in einem guten Gesundheitszustand befanden, stellte sich der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky folgende Leitfrage als Grundlage seiner Forschung: „Unter welchen Bedingungen findet man Gesundheit vor bzw. warum wird oder bleibt jemand trotz widriger Umstände gesund?“ Antonovsky macht deutlich, dass die Orientierung an klassischen biomedizinischen Ansätzen für die Erklärung von Gesundheit nicht ausreicht und setzt dem Begriff der Pathogenese (= Entstehung von Krankheit) den Begriff der Salutogenese (= Entstehung von Wohlbefinden und Gesundheit) gegenüber. Antonovsky sieht Gesundheit als das Ergebnis eines dynamischen Wechselverhältnisses von Schutz- und Risikofaktoren, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Person liegen und jeweils ihre eigene Geschichte und damit auch unterschiedliche Stabilität haben können. Antonovsky übt vor dem Hintergrund dieses Gesundheitsverständnisses Kritik an der in der Medizin gängigen Unterscheidung in „gesund – krank“. Er sieht den Menschen in einem ständigen Prozess von „mehr oder weniger gesund“. Die bestimmenden Komponenten in Antonovskys Gesundheitsmodell sind

  • psychosoziale, physische und biochemische Stressoren;
  • Organschwächen („schwache Glieder in der Kette“) und gesundheitliche Risikofaktoren;
  • genetische, konstitutionelle und psychosoziale generalisierte Widerstandsquellen oder Schutzfaktoren;
  • der Kohärenzsinn, der die zentrale Variable des Modells darstellt.

Der Kohärenzsinn ist eine globale Orientierung, die zum Ausdruck bringt, in welchem Umfang eine Person, ein Mensch ein generalisiertes, überdauerndes und dynamisches Gefühl des Vertrauens besitzt, dass die eigene innere und äußere Umwelt vorhersagbar ist und dass mit großer Wahrscheinlichkeit die Dinge sich so weiterentwickeln werden, wie man es vernünftigerweise erwarten kann. So beschreibt es eine wissenschaftliche Definition. Man könnte diese Persönlichkeitseigenschaft sehr gut als Ich-Vertrauen bezeichnen. Je ausgeprägter diese Eigenschaft ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Gesundheitszustandes, da ein starkes Ich-Vertrauen die bestehenden generalisierten Widerstandsquellen (= Schutzfaktoren) zur erfolgreichen Bewältigung der Spannungen, die durch Stressoren erzeugt werden, aktiviert. Der Kohärenzsinn (= das Ich-Vertrauen) besteht nach Antonovsky aus den folgenden drei Komponenten:

  • Verstehbarkeit umfasst das Ausmaß, in dem (Alltags-)Anforderungen kognitiv klar geordnet und verstanden werden (= Alltagsintelligenz, Alltagskompetenz).
  • Handhabbarkeit beschreibt das Ausmaß der Überzeugung eines Individuums, mit den zur Verfügung stehenden Handlungskompetenzen vielfältige (Alltags-)Anforderungen und Belastungen bewältigen zu können (= Gefühl der Kontrollüberzeugungen und Selbstwirksamkeit).
  • Bedeutsamkeit bezieht sich auf das Ausmaß, in dem das Leben als sinnhaft erfahren wird und es sich lohnt, sich mit Belastungen aktiv auseinanderzusetzen (= Lebensperspektive).

Förderung der Knochengesundheit – übergeordnete Ziele und Inhalte

Die Gesundheitswissenschaften und insbesondere die Gesundheitspsychologie haben aus diesen Modellvorstellungen praxisorientierte Konzepte für die Gesundheitsförderung entwickelt. Brehm und Mitarbeiter unterscheiden insgesamt fünf Qualitätsbereiche, die uneingeschränkt auf die Förderung der Knochengesundheit übertragen werden können:

  • Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden
    • Sensibilisierung für Körpersignale – Belastungs- und Stresswahrnehmung
    • Krankheitsbewältigung
    • Beschwerde- und Schmerzmanagement
    • Wellness
  • Verminderung von Risikofaktoren
    • Fraktur- und Sturzrisikoanalyse
    • Krankheitswissen
    • Gewichtsregulation
    • Ernährungsberatung
    • Raucherentwöhnung
    • Aktivierung
  • Stärkung von physischen (= körperlichen) Gesundheitsressourcen
    • Grundlagenausdauer
    • Beweglichkeit (Gelenkbeweglichkeit, Muskelentspannung)
    • Kraft
    • Koordination
    • Gelenk- und Muskeltraining
  • Stärkung von psychosozialen Gesundheitsressourcen
    • Gefühl der Leistungsfähigkeit erleben
    • Problemlösestrategien erlernen
    • Gefühl der Verhaltens- und Entscheidungssicherheit spüren
    • Selbstwertschätzung erfahren
    • Soziale Kompetenz und Unterstützung erleben
    • Stimmung und Gestimmtsein positiv gestalten lernen
  • Reduzierung von Teilnehmerbarrieren und Aufbau von Bindungen
    • Persönliche Ansprache und Motivation
    • Wohnortnahe Angebote
    • Institutionelle Unterstützung


Der Leitfaden Prävention der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Umsetzung des §20 und §20a des Sozialgesetzbuches V beschreibt gemeinsame und einheitliche Handlungsfelder und Kriterien, die uneingeschränkt auf die Knochengesundheit übertragen werden können.

Bewegung

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Heute ist unstrittig, dass Bewegungsmangel einerseits einen zentralen Risikofaktor für die Gesundheit darstellt und körperlich-sportliche Aktivitäten andererseits zu den zentralen Faktoren der Erhaltung sowie der Wiederherstellung der physischen und psychosozialen Gesundheit gehören. Allerdings stellt sich Gesundheit bei körperlich-sportlichen Aktivitäten nicht automatisch ein: Gesundheitseffekte sind vielmehr abhängig von der Qualität der Aktivitäten bzw. der Qualität der Interventionen. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen sowie die richtige Dosierung der Belastung (Leitfaden Prävention, Kapitel 6.2.1). Viele Empfehlungen für Risikopatienten und Patienten mit einer Osteoporose berücksichtigen diese Qualitätskriterien leider nicht.




Knochengesunde Ernährung

Der Ernährung kommt eine zentrale Rolle sowohl für den Erhalt der Gesundheit als auch bei der Entstehung bestimmter Erkrankungen zu. Nach Angaben des Ernährungsberichts 2004 sind über zwei Drittel aller Todesfälle auf Erkrankungen zurückzuführen, bei denen die Ernährung die alleinige Ursache oder als einer von mehreren Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt ist (Leitfaden Prävention, Kapitel 6.2.2). Vollwertig essen und trinken hält gesund, fördert Leistung und Wohlbefinden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse 10 Regeln formuliert, die helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen.

  1. Vielseitig Essen
  2. Reichlich Getreideprodukte – und Kartoffeln
  3. Gemüse und Obst – Nimm „5“ am Tag“
  4. Täglich Milch und Milchprodukte; ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
  5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
  6. Zucker und Salz in Maßen
  7. Reichlich Flüssigkeit
  8. Schmackhaft und schonend zubereiten
  9. Nehmen Sie sich Zeit, genießen Sie Ihr Essen
  10. Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben Sie in Bewegung

Für die Knochengesundheit sind ein paar besondere Aspekte zu berücksichtigen. Das Knochensubstanz ist ein Verbundmaterial und besteht aus einer harten, mineralischen Komponente (überwiegend Calcium und Phosphat) und einer elastischen Komponente, dem Knocheneiweiß (Kollagen Typ 1). Das Kollagen bildet eine Matrix, in die die Mineralkristalle eingelagert sind. Damit der Knochen seine Knochenbälkchen – und damit seine Stabilität – nicht verliert, benötigt er ausreichende Bausubstanz: Dazu gehören Mineralien, vor allem das Calcium, und auch Eiweiß (= Protein) für den Aufbau der Kollagenmatrix. Für die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung und für die Einlagerung von Calcium in den Knochen sorgt das Vitamin D. Die Einlagerung von Calcium in den Knochen (Mineralisierung) und die Ausreifung des Knocheneiweißes wird auch durch Vitamin K1 gesteuert, das in Salaten, grünem Gemüse und grünen Kräutern enthalten ist. Weiterhin ist auch Vitamin C für die Kollagenbildung notwendig. Vitamin C ist reichlich in Obst enthalten.

Calcium

Calcium sollte möglichst täglich zugeführt werden, denn sonst wird der Knochen als Mineralienspeicher verwendet und abgebaut (deshalb ist es z.B. bei Fastenkuren wichtig, regelmäßig genügend Calcium z.B. über Getränke durch calciumreiche Heil- und Mineralwässer zuzuführen, da sonst Knochen verloren geht). Einen sehr guten Überblick über die täglich empfohlene Calciummenge gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Empfohlene Calciumzufuhr
Alter Calcium
mg/Tag mg/MJ1
(Nährstoffdichte)
m w
Säuglinge
0 bis unter 4 Monate2 220 110 116
4 bis unter 12 Monate 400 133 138
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 600 128 136
4 bis unter 7 Jahre 700 109 121
7 bis unter 10 Jahre 900 114 127
10 bis unter 13 Jahre 1100 117 129
13 bis unter 15 Jahre 1200 107 128
Jugendliche und Erwachsene
15 bis unter 19 Jahre 1200 113 141
19 bis unter 25 Jahre 1000 94 123
25 bis unter 51 Jahre 1000 98 128
51 bis unter 65 Jahre 1000 109 135
65 Jahre und älter 1000 120 145
Schwangere3 1000 109
Stillende4 1000 93
1Berechnet für Jugendliche und Erwachsene mit überwiegend sitzender Tätigkeit (PAL-Wert 1,4)
2Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert
3Schwangere < 19 Jahre 1200 mg
4Stillende < 19 Jahre 1200 mg
(Quelle:Deutsche Gesellschaft für Ernährung)

Für Osteoporosepatienten wird eine tägliche Calciummenge von bis zu 1500mg empfohlen. Für eine optimale Calciumaufnahme aus der Nahrung ist es wichtig, den täglichen Calciumbedarf nicht nur aus Milchprodukten zu decken, sondern auch geeignete Gemüse und Mineralwässer auf den Tisch zu bringen.

Hinweis: Bei Milchzuckerunverträglichkeit (Milchzucker ist in der Molke enthalten) kann der tägliche Calciumbedarf durch Hartkäse, bei Milcheiweißallergie mit Nahrungsergänzungsmitteln gedeckt werden.

Auf ausgewogenen Säure – Basen – Haushalt achten!

Eine einseitige Ernährung mit Lebensmitteln, die im Stoffwechsel Säuren bilden (z.B. Fleisch, aber auch Hartkäse im Übermaß), sollte vermieden werden. Deshalb sollte man immer basische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kartoffeln in die Nahrung einbauen. Günstig sind auch alkalisierende (basische) Mineralwässer, die Hydrogencarbonat (Bicarbonat) enthalten.

Die wichtigsten calciumreichen Lebensmittel
200 ml Milch 3,5 % (1 Glas) 240 mg Ca
200 ml Milch 1,5 % 250 mg Ca
200 ml Buttermilch 240 mg Ca
150 g Joghurt (1 kleiner Becher) 170 mg Ca
200 g Speisequark 130 mg Ca
2 Scheiben Emmentaler 612 mg Ca
2 Scheiben Gouda 490 mg Ca
2 Scheiben Edamer 475 mg Ca
2 Scheiben/ 60 g Camenbert 342 mg Ca
200 g Grünkohl 424 mg Ca
200 g Broccoli 220 mg Ca
200 g Lauch 240 mg Ca
200 g Fenchel 218 mg Ca
2 Esslöffel Kräuter   300 – 400 mg Ca
1 Liter Mineralwasser  150 – 600 mg Ca

 

Vitamin D

Vitamin D dagegen kann der Körper über mehrere Monate speichern. Vitamin D kann unter Einwirkung von Sonnenlicht (oder anderen ultravioletten Lichtquellen) in der Haut gebildet werden. In den Monaten von April bis September reicht ein täglicher 30 Minuten langer Aufenthalt im Freien für ausreichend Vitamin D (dies gilt nicht, wenn verhüllende Bekleidung getragen wird, die auch Arme und Gesicht bedeckt). Bei älteren Menschen kann die Haut nicht mehr so gut Vitamin D bilden, so dass bei ihnen häufiger ein Vitamin D-Mangel vorliegt. Im Winter steht darüber hinaus in unseren Breiten die Sonne so tief, dass zu wenig ultraviolettes  (UV-) Licht vorhanden ist, welches die Vitamin D-Bildung unterstützt. Es muss deshalb gerade im Winter Vitamin D-reiche Nahrung auf den Tisch, und gegebenenfalls muss man die Ernährung auch mit Vitamin D-Tabletten ergänzen. Wiederum einen sehr guten Überblick über die täglich empfohlene Vitamin D-Menge gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung heraus.

Empfohlene Zufuhr von Vitamin D
Alter Vitamin D1

µg/Tag

µg/MJ2
(Nährstoffdichte)
m w
Säuglinge3
0 bis unter 4 Monate 10 5,0 5,3
4 bis unter 12 Monate 10 3,3 3,4
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 5 1,1 1,1
4 bis unter 7 Jahre 5 0,8 0,9
7 bis unter 10 Jahre 5 0,6 0,7
10 bis unter 13 Jahre 5 0,5 0,6
13 bis unter 15 Jahre 5 0,4 0,5
Jugendliche und Erwachsene
15 bis unter 19 Jahre 5 0,5 0,6
19 bis unter 25 Jahre 5 0,5 0,6
25 bis unter 51 Jahre 5 0,5 0,6
51 bis unter 65 Jahre 5 0,5 0,7
65 Jahre und älter 10 1,2 1,4
Schwangere 5 0,5
Stillende 5 0,5
11 µg = 40 IE; 1 IE = 0,025 µg
2Berechnet für Jugendliche und Erwachsene mit überwiegend sitzender Tätigkeit (PAL-Wert 1,4)
3Die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde empfiehlt unabhängig von der Vitamin D-Produktion durch UV-Licht in der Haut und der Vitamin D-Zufuhr durch Frauenmilch bzw. Säuglingsmilchnahrungen (Basisvitaminierung) zur Rachitisprophylaxe bei gestillten und nicht gestillten Säuglingen die tägliche Gabe einer Vitamin D-Tablette von 10-12,5 µg (400-500 IE) ab dem Ende der 1. Lebenswoche bis zum Ende des 1. Lebensjahres. Die Prophylaxe kann im 2. Lebensjahr in den Wintermonaten fortgeführt werden.
(Quelle:Deutsche Gesellschaft für Ernährung)


Die Vitamin D – Zufuhr für Osteoporosepatienten sollte täglich 800 bis 2000 IE betragen.

Die wichtigsten Vitamin D – reichen Nahrungsmittel (in 100 Gramm)
Hering 1200 IE
Sardelle

  800 IE

Heilbutt

  600 IE

Champignons

    76 IE

Emmentaler Käse

    44 IE

1 Hühnerei

    72 IE

 

Vitamin K

Der Tagesbedarf von Vitamin K1 beträgt 200 µg (Mikrogramm). Besonders reichhaltig ist es in Salaten, grünem Gemüse und grünen Kräutern enthalten.

Die wichtigsten Vitamin K1 – haltigen Lebensmittel (in 100 Gramm)
Blattpetersilie 790 µg
frische Kresse 600 µg
frischer Schnittlauch 570 µg

Mehr als 200 µg pro 100 g enthalten frische Zwiebeln, Fenchel, Grünkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Chinakohl, Lauch und Linsen.

Achtung: Vitamin K2 (gewonnen aus fermentiertem Soja, Natto) wird als Heilmittel für Osteoporose beworben. Dafür sind jedoch sehr hohe Dosierungen notwendig, und die entsprechenden Medikamente sind noch in Erprobung und in Europa nicht im Handel.  Nahrungsergänzungsmittel zur Vitamin K2 – Therapie enthalten für diese Effekte viel zu geringe Mengen und sind überflüssig.

Einfacher Ernährungsfahrplan für fitte Knochen:

Täglich

  • zwei Scheiben Käse + ½ l Milch, Joghurt, Buttermilch oder Kefir
  • 250 g Gemüse + Salat
  • 1 – 2 Portionen Obst
  • 250 g (Vollkorn-)Brot bzw. geschrotetes Getreide (für Müsli)
  • zwei Esslöffel Kräuter
  • zwei Liter Flüssigkeit trinken (calciumreiches Mineralwasser mit über 300 mg/l Calcium, Kräutertee, reine Obstsäfte)

Wöchentlich

  • mindestens 2 mal (See-)Fisch
  • maximal   1 bis 2  mal Fleisch

Belastungsbewältigung

Psychosozialer Stress stellt einen bedeutsamen (mit-)verursachenden und auslösenden Faktor für viele der heute sozialmedizinisch besonders relevanten kardiovaskulären, muskulo-skeletalen, immunologischen, psychosomatischen und psychischen Erkrankungen dar. Insbesondere chronische psychobiologische Stressreaktionen gefährden im Zusammenhang mit einer unausgeglichenen Beanspruchungs-Erholungs-Bilanz, einer nachhaltigen Schwächung des Immunsystems sowie einem gesundheitlichen Risikoverhalten als inadäquatem Bewältigungsverhalten die körperliche wie psychische Gesundheit (Leitfaden Prävention, Kapitel 6.2.3). Mit dem Begriff Stressfraktur lässt sich sehr schnell eine Beziehung zur Knochengesundheit herstellen. Und Zeitnot mit ihren riskanten Verhaltensweisen ist zwar kein wissenschaftlich nachgewiesener Risikofaktor für Wirbelkörperfrakturen und Stürze, klingt aber durchaus plausibel. Die Förderung individueller Kompetenzen der Belastungsverarbeitung zur Vermeidung stressbedingter Gesundheitsrisiken kann das Bemühen um die Knochengesundheit sinnvoll ergänzen.

Umgang mit Suchtmitteln

Rauchen sowie Alkoholkonsum gehören zu den Gesundheitsrisiken unserer Gesellschaft, die in unterschiedlichem Ausmaß in allen Schichten und Altersgruppen vertreten sind. Mehr als ein Drittel (35%) der erwachsenen Bevölkerung raucht, der überwiegende Teil (87%) täglich. Rund 75% der regelmäßigen Raucher rauchen zwischen 5 bis 20 Zigaretten täglich, 15% der Raucher haben einen täglichen Konsum von mehr als 20 Zigaretten. Das in Tabakprodukten enthaltene Nikotin ist stark suchterzeugend und provoziert eine Fortsetzung des Konsums und eine Dosissteigerung. Rauchen ist der bedeutsamste einzelne individuell vermeidbare Risikofaktor für die Entstehung und die Verschlimmerung von mehr als 40 meist chronischen Krankheiten (Leitfaden Prävention, Kapitel 6.2.4). Nikotin ist ein moderater Risikofaktor für Osteoporose. Raucherinnen kommen durchschnittlich 2 Jahre früher in die Menopause, denn Nikotin fördert den Östrogenabbau. Nikotin gilt auch als so genannter „Calcium- und Vitaminräuber". Auch könnte Nikotin zu Durchblutungsstörungen des Knochens führen. Damit ist die Förderung des Nichtrauchens eine wichtige Präventionsstrategie für die Knochengesundheit.

Alkoholische Getränke werden von rund 90% der erwachsenen Bevölkerung konsumiert. Zu den gesundheitlichen Folgen eines riskanten Alkoholkonsums zählen eine Vielzahl von somatischen (= körperlichen) und psychischen Erkrankungen (Leitfaden Prävention, Kapitel 6.2.4). Ein übermäßiger Alkoholgenuss führt zu einer übermäßigen Ausscheidung von Kalzium über die Niere. Ein vermehrter Alkoholgenuss schadet der Magenschleimhaut und stört die Funktion von Magen, Darm und der Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse, so dass Kalzium nicht mehr in ausreichender Menge aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Bei Alkoholmissbrauch beobachtet man auch häufig eine einseitige und mangelhafte Ernährung mit nachfolgender Körpergewichtsabnahme. Alkoholmissbrauch, vor allem hochprozentiger Alkohol im Übermaß führt auch zu einer Fettleber bis zur Leberzirrhose; es kommt zu einer unzureichenden Aktivierung von Vitamin D. Alkohol kann auch zu einer direkten Schädigung der knochenaufbauenden Zellen, den Osteoblasten führen. Noch nicht sehr thematisiert wird das erhöhte Sturzrisiko unter Alkoholeinfluss. Die Reduzierung des Alkoholkonsums bzw. der gesundheitsgerechte Umgang mit Alkohol fördern die Knochengesundheit und ist ein wesentlicher Bestandteil präventiver Strategien.

Im Leitfaden Prävention nicht thematisiert wird das Problem der Polymedikation. Ältere Patienten brauchen oft viele Arzneimittel. Statistisch gesehen nimmt jeder Mensch ab dem 60. Lebensjahr im Mittel drei rezeptpflichtige und fast ebenso viele apothekenpflichtige Arzneimittel ein. Jeder Dritte zwischen 75 und 85 Jahren bekommt sogar mehr als acht Arzneimittel verordnet. Die Anwendung von fünf oder mehr Arzneimitteln gleichzeitig wird häufig als Polymedikation, Multimedikation oder Polypharmazie bezeichnet. Die Hauptursache für Polymedikation liegt darin, dass ältere Patienten meist an mehreren chronischen Erkrankungen leiden, die dauerhaft mit Arzneimitteln behandelt werden. Eine Polymedikation kann zu vielfältigen Problemen führen. Es kommt leicht zu Medikationsfehlern, das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und das Interaktionspotenzial steigen und es kommt häufiger zu Verwirrtheitszuständen und Stürzen. Zudem kann man eine schlechtere Compliance bei Patienten feststellen. Die Überprüfung der Medikamente im Hinblick auf ein erhöhtes Fraktur- und Sturzrisiko sollte in präventiven Bemühungen nicht vernachlässigt werden.

Sturzprävention – Bewegungssicherheit im Alter

Etwa ein Drittel der über 65-jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr. Die Rate steigt mit zunehmendem Alter weiter an. Möglicherweise stellt aber das Alter an sich keinen unabhängigen Risikofaktor für das Auftreten von Stürzen dar, sondern lediglich einen Indikator für die Zunahme anderer Risikofaktoren mit dem Alter. Frauen stürzen häufiger als Männer (relatives Risiko in verschiedenen Untersuchungen 1,8 - 1,2). 60 bis 70% der Gestürzten stürzen innerhalb der folgenden 12 Monate erneut. Einer unter fünf bis zehn Stürzen älterer Menschen hat Verletzungen zur Folge, einer unter 20 bis 30 Stürzen führt zu einer Fraktur, etwa jeder hundertste Sturz führt zu einer hüftgelenksnahen Fraktur. In prospektiven Untersuchungen konnten vor der sturzbedingten Fraktur 3/4 der Patienten ohne Hilfsmittel selbstständig gehen, nach der Fraktur nur noch 15%. Neben den somatischen Folgen eines Sturzes berichten bis zu 70% der älteren Gestürzten über Angst vor weiteren Stürzen mit einem dadurch bedingten Abbau von Selbstvertrauen, einer zunehmenden Einschränkung der Alltagsaktivitäten und einem daraus folgenden Teufelskreis mit weiterem Abbau lokomotorischer Fähigkeiten (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin 2004).

Trotz mancher Zweifel scheint es wissenschaftlich erwiesen, dass das Sturzrisiko durch unterschiedlichste Maßnahmen verringert werden kann. Sturzprävention bedeutet einerseits zu verhindern, dass „Nicht – Faller“ zu „Fallern“ werden, andererseits weitere Stürze von „Fallern“ einzudämmen. Effektive Prävention verlangt eine vielseitige Annäherung, um den multifaktoriellen Ursachen und der Heterogenität der älteren sturzgefährdeten Menschen gerecht zu werden. Der erste Schritt zur Prävention von Stürzen ist die Identifikation und Reduzierung von Risikofaktoren bei älteren Menschen. Daneben muss bei bereits gestürzten Patienten eine systematische und individuelle Diagnose und Therapie erfolgen. Intervention kann einerseits darauf ausgerichtet sein, das Sturzrisiko zu minimieren, andererseits schützende Kontrollmechanismen zu verbessern und somit das Risiko von Verletzungen zu reduzieren.

Prävention im Sinne einer verhältnisorientierten Prävention hat zum Ziel, schädigende Umwelteinflüsse zu beseitigen und gesellschaftliche Voraussetzungen, die eine gesunde Lebensführung ermöglichen, zu schaffen. In diesem Sinne beinhaltet die Sturzprävention aufgrund der Häufigkeit von Stürzen, die durch umweltbedingte Risikofaktoren verursacht werden, als zentrale Aufgabe die genaue Betrachtung des unmittelbaren und weiteren Lebensumfeldes von sturzgefährdeten Menschen. Verschiedene Maßnahmenkataloge zum Erkennen und Beseitigen von umweltbedingten Risikofaktoren dienen hier als Leitfaden.

Bereiche erhöhten Risikos Empfehlung

Beleuchtung

  • kein grelles Licht und irritierende Schatten;
  • gut erreichbare Lichtschalter am Zimmereingang;
  • Nachtlicht im Schlafzimmer, Badezimmer und Flur.

Boden

  • rutschfeste Teppiche und Läufer; Teppichkanten festkleber;
  • Boden rutschfest wachsen;
  • keine im Weg liegende Kabel;
  • keine herumliegenden Gegenstände (z. B. Schuhe, Kleidung).

Treppen

  • genug Licht, um Treppenanfang und -ende auszuleuchten;
  • sicher befestigtes, beidseitiges Treppengeländer;
  • oberste und unterste Stufe mit hellem, kontrastierendem Tape markieren;
  • Stufenhöhe nicht mehr als 15 cm;
  • Stufen in gutem Zustand;
  • keine Gegenstände auf der Treppe.

Küche

  • alles gut erreichbar, ohne Vornüberbeugen und extremes Strecken;
  • sichere Leiter,
  • falls nötig; stabiler unbeweglicher Tisch.

Badezimmer

  • Haltegriffe für Badewanne, Dusche und Toilette;
  • rutschfeste Matte in Badewanne und Dusche;
  • erhöhter Toilettensitz;
  • Türe unverschlossen lassen, um Zugang bei Notfall zu ermöglichen.

Hof und Eingangsbereich

  • keine Spalten und Löcher im Pflaster und Rasen;
  • Stolperfallen, z.B. Steine, Spielzeug beseitigen;
  • Gehwege frei von Glatteis.

Institutionen

  • Betten in adäquater Höhe;
  • Flüssigkeit auf Boden sofort aufwischen;
  • geeignete Gehhilfen und Rollstühle.

Schuhwerk

  • stabile Schuhe mit rutschfester Sohle und niedrigen Absätzen;
  • nicht mit Strümpfen oder in offenen Hausschuhen gehen.

 

Im medizinischen Bereich könnte als Präventionsmaßnahme bei älteren Menschen zusätzlich zu den allgemein üblichen Kontrolluntersuchungen eine Sturzrisikoanalyse empfohlen werden. Gegenstand dieser Untersuchung sollten Seh- und Hörtests, Muskeltests, Blutdruckmessungen, die Bewertung von Gleichgewicht und Gang sowie funktionaler und mentaler Gesamtzustand sein. Besondere Aufmerksamkeit sollte innerhalb dieser Analyse auch dem Umgang mit Medikamenten gewidmet werden.

Die Mehrzahl der Präventionsprogramme zielt schwerpunktmäßig auf die Steigerung und Optimierung der sensomotorischen Funktionstüchtigkeit durch richtig dosierte Trainingsprogramme ab. Ziele sind insbesondere die Verbesserung der Gleichgewichts- und Reaktionsfähigkeit, die Zunahme der Muskelkraft, die Steigerung der Ausdauer und Beweglichkeit. Als Bewegungsform, die viele dieser Fähigkeiten gleichzeitig trainiert, ist das Tai Chi.